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Unser heutiges Wissen hat eine unvorstellbare Größe erreicht, es ist nicht mehr möglich, in jedem Bereich ein Spezialist zu sein. Einen Universalgelehrten, der in jeder vorhandenen Wissenschaft ein Experte ist, gibt es heute nicht mehr. Der heutige Wissenschaftler und Gelehrte ist ein Spezialist, der sich innerhalb seiner Wissenschaft wiederum auf einen Teilbereich beschränkt. Leonardo da Vinci, der Universalgelehrte der Renaissance und gleichzeitig vielleicht die Personifizierung des uomo universalis, des Idealbildes der Renaissance, kann es in unserer heutigen Zeit mit den gleichen Ansprüchen nicht mehr geben. Leonardo war Architekt, Anatomist, Bildhauer, Botaniker, Erfinder, Schriftsteller, Maler, Militäringenieur und vieles mehr. Leonardos Wissenshunger war immens, seine Interessen richteten sich in unglaublich viele Richtungen. Leonardos Wissenshunger ist auch heute noch erstaunlich, wer seine Skizzen betrachtet, erkennt einen Menschen, der seine eigene Zeit weit überragte. Die Verneinung der Möglichkeit heute noch diesem Idealbild in einer modernen Version nachzustreben, nimmt der Menschheit auch ein wunderbares Ziel. Es ist heute zwar nicht mehr erreichbar, aber kann es nicht noch immer ein Ziel sein? Ein Ziel, welches man nicht mehr erreichen kann, dem man aber entgegenstreben kann. Es bleibt ein ewiger Weg, den man in seinem Leben nicht vollenden kann. Es ist ein Weg, der umso länger wird, je weiter die Menschheit in die Zukunft fortschreitet, aber muss das abschrecken? Müssen wir in eine Lethargie verfallen und uns an kleinen Spezialgebieten festklammern, nur weil wir nicht mehr den Mut besitzen, uns ein unerreichbares Ziel zu setzen? Dieses Magazin hat sich den Namen uomo universale ausgesucht, weil wir nicht denken, dass wir uns auf ein Spezialgebiet beschränken sollten. Umso größer die Spezialisierung desto größer auch die Gefahr, das Allgemeine, das Ganze aus den Augen zu verlieren. Spezialisierung sollte immer mit einem Streben nach dem breitflächigen Wissen kombiniert sein. Bildung und Wissen ist zudem weit mehr als ein Sammelsurium, das uns ermöglicht einen Beruf auszuüben. Konservativen Idealen wollen wir uns dennoch nicht hingeben, nicht nur das Alte, das geronnene Kultur- und Wissenserbe hat für uns Bedeutung, sondern auch das Neue und noch nicht Etablierte. Wer den Blick nur auf Vergangenes richtet, wird in gleichem Maße den Blick auf das Allgemeine verlieren, wie derjenige, der nur auf das Spezielle schaut. |