Rezension
Der Titel könnte etwas anderes vermuten lassen, jedoch trotz des Titels schreibt Frankfurt in diesem Buch keinen „Bullshit“.
Auf einem weinrotem Leinenbuchumschlag strahlt in hellrotem Schriftzug „Bullshit“ den Besuchern vieler Buchläden entgegen. Leicht könnte missverstanden werden, was es mit diesem Buch auf sich hat. Einzig der Schriftzug des Verlags „Suhrkamp“ gibt dem Kunden den Tipp, hier vermutlich keinen anspruchslosen Text zu finden. Ist der Käufer dieses Buches jedoch nicht schon im Vorfeld über den Inhalt des Buches informiert, wird das Lesen nach dem Kauf vielleicht zu einer positiven oder negativen Überraschung, je nachdem, was der Leser erwartet hat.
„Zu den auffälligsten Merkmalen unserer Kultur gehört die Tatsache, dass es so viel Bullshit gibt.“
Mit diesem Satz beginnt Frankfurt seine Abhandlung, in der er den Begriff analysiert, diesen von anderen abgrenzt und darstellt was "Bullshit" in unserer Gesellschaft ist. Die Stärke dieses kleinen 74 Seiten umfassenden Buches besteht in der wissenschaftlichen Seriosität mit der Frankfurt sich als erster mit dem Begriff „Bullshit“ auseinander setzt. Frankfurt ist Philosophie Professor an der Princeton Universität in den USA. Im Unterschied zu seinen restlichen Werken ist der Titel dieses Werkes provozierend. Die Veröffentlichung des Buches ist zudem geschickt inszeniert, denn es handelt sich nicht etwa um ein aktuelles Werk von Frankfurt, sondern um einen schon vor Jahren in einem Magazin erschienen Essay, dies wird mit keinem Wort erwähnt.
Zurück zu dem Käufer, der keinen wissenschaftlichen Stil erwartet hat, sondern eine leicht lesbare und amüsante Lektüre. Dieser Leser wird anhand dieses Buches am eigenen Leib erfahren, was es mit Bullshit auf sich hat. Der Titel demonstriert, was Bullshit ist, denn dieser schert sich nicht darum, welche Erwartungshaltung, er bei einem Käufer erweckt. Eine wissenschaftliche Arbeit versteckt sich hinter einem provozierenden Titel, erregt damit Aufmerksamkeit und erlangt eine größere Käuferschaft. Das Buch beweist mit sich selbst, es gibt wirklich sehr viel Bullshit in unserer Kultur, auch wenn der Text selbst kein Bullshit ist. Auf den Covern von englischen Büchern kündigt sich schon eine kleine Flut von Büchern an, die auf den Zug mitaufspringen und "Bullshit" im Titel unterbringen.
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