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Tödliche Karikaturen Print E-mail
Written by Ulli Stefan Zähringer   
Tuesday, 07 February 2006

Karikaturen können nicht nur verletzen, sie können sogar töten, wie das Beispiel der Mohammed Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ zeigt. Monate nach der Erstveröffentlichung kommt es nun zu einer geballten Reaktion in arabischen Staaten: Botschaften brennen, Menschen sterben und das weltweit.

Die Karikaturen mögen das religiöse Gefühl der Muslime verletzt haben, jedoch geht es bei diesem Aufruhr um mehr, deswegen blieb es nicht bei friedlichen Protesten, sondern es kam zur Zerstörungswut. Nicht nur dänische Botschaften sind Opfer der randalierenden Demonstranten, sondern der Hass richtet sich scheinbar gegen die ganze westliche Welt. Die Zeichnungen scheinen ein geeigneter Auslöser gewesen zu sein, für einen schon lange latent vorhandenen Konflikt. Die islamische Welt sieht sich von allen Seiten bedroht. Der Krieg gegen Afghanistan und den Irak erscheinen als Zwangsdemokratisierung und es ergibt für sie den Anschein, dass die westliche Welt ihre Vorstellungen über die des Islams setzt und sich zur Aufgabe gemacht hat, ein Land nach dem anderen zu demokratisieren . Die Reaktion auf die Karikaturen sind somit nicht eine direkte Reaktion auf die Bilder selbst, sondern die Reaktion auf die Bilder sind im Zusammenhang mit diesem Gefühl der Bedrohtheit zu sehen. Diese Stimmung haben sich islamische Fundamentalisten zu nutze gemacht, sie verwendeten die Mohammed Karikaturen lediglich als Instrument, um ihr Ziel zu erreichen.

Die Einengung des Spielraums der Pressefreiheit ist nicht das primäre Ziel dieser Proteste. Es ist ein Protest gegen den Westen im Allgemeinen. So sind viele Karikaturen in arabischen Zeitungen in einer Weise antisemitisch, dass die dänischen Karikaturen dagegen sehr blaß aussehen.

 

Der Islam hat nicht wie die westliche Kultur eine Trennung von Staat und Kirche erlebt, sondern beide blieben bis in unsere heutige Zeit eins. Es gibt nur wenige islamische Länder, die ansatzweise versuchen den westlichen Entwicklungsweg aufzugreifen. Religiöse Gesetze sind in islamischen Ländern somit auch die Gesetze des Staates und wer gegen eine Religionsvorschrift verstößt, ist damit auch gleichzeitig der Anklage durch das staatliche Gesetz ausgeliefert. In Dänemark verstößt jedoch eine Zeitung nicht gegen das Gesetz, wenn es diese Karikaturen veröffentlicht, es zeigt vielleicht schlechten Geschmack, aber es macht sich nicht im rechtliche Sinne strafbar.

In den Feuilletons der Zeitungen ergab sich infolge der Karikaturen eine hitzige Debatte über den Schutz der Meinungsfreiheit. Das aggressive Vorgehen, so wird in den meisten Zeitungen argumentiert, darf uns nicht einschüchtern, wir müssen unsere westlichen Werte schützen. Dies wäre richtig, wenn es sich primär um die westlichen Werte und dem Recht auf Kritik handeln würde, allerdings ist die Reaktion weit mehr eine allgemeine Bekundung als eine spezielle Reaktion auf die Karikaturen selbst. Dennoch sollte man die Bedeutung der Meinungsfreiheit nicht unterschätzen. Es darf nicht sein, dass in westlichen Ländern, Personen um ihr Leben fürchten müssen, nur weil sie eine Meinung vertreten. Meinungsfreiheit ist ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Unser wissenschaftlicher Fortschritt wäre nicht denkbar, wenn es uns nicht möglich gewesen wäre, die kirchlichen Lehren in Frage zu stellen.

Die Veröffentlichungen der Karikaturen scheinen zwar auf den ersten Blick die Ursache für die Eskalation zu sein, jedoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Karikaturen nur einen schon vorhandenen Konflikt zum Ausbruch brachten.

 
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