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Hollywoods Helden: Gefühl und Gewalt Print E-mail
Written by Ulli Stefan Zähringer   
Tuesday, 13 June 2006

Hollywoods Ideologie: Gewalt ist die Lösung. 


Selten sind die Film-Helden mehr als durchschnittlich intelligent, der Gegner unterliegt meist, aber der Held erreicht dies nicht durch den Einsatz von besonderer Genialität, sondern mit dem Vertrauen auf das Gefühl. Dieses Gefühl entscheidet und Gewalt ist die Sprache und das Mittel, um das eigene Recht oder auch Unrecht durchzusetzen.

Aber wo bleibt in Hollywood der intelligente Held, der Probleme mit dem Kopf statt mit den Fäusten löst, kann dieser nur im Independent-Kino auftauchen? Braucht das Mainstream-Kino denn wirklich nur diese „Schläger“? Kann ein Held nicht auch einmal intelligent sein, Gewalt meiden und auf friedliche Weise, sein Ziel erreichen? Dies soll kein Plädoyer gegen Gewaltfilme sein, aber fällt Hollywood denn nichts anderes ein, als Probleme mit den Fäusten zu lösen!

Die intelligente Figur ist in einem Film: der Außenseiter mit der dicken Brille, eine Nebenrolle oder gar der Bösewicht des Films. Nur wenige Hollywood-Filme stellen einen intelligenten Menschen in den Mittelpunkt: „Good Will Hunting“ und „Beautiful Mind“ sind Ausnahmen. In „Spiderman“ wird der Held als intelligent dargestellt, aber von Belang ist letztlich nicht seine Intelligenz, sondern seine übermenschliche Stärke. Die „Intelligenz“ ist eine Randfigur: in James Bond liefert sie das Waffenarsenal, in „Zurück in die Zukunft“ ermöglicht sie Zeitreisen und in „Harry Potter“ steht sie hilfreich zur Seite, wenn der Held nicht weiter weiß. Die Hauptfigur vertraut seinem Gefühl und seinen Instinkten. Die Intelligenz taucht stattdessen viel häufiger bei den Anti-Helden auf, sie nutzen ihre Genialität, um anderen zu schaden. Die Intelligenz wird fast schon verteufelt, aber die Gewalt legitimiert.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, Gewalt in Filmen darzustellen. Sie kann extrem blutig dargestellt werden, sie kann ästhetisch stilisiert sein, sie kann folgenlos sein, das bedeutet, trotz allen Gewaltakten passiert niemand etwas und sie kann realistisch dargestellt werden. Realistische Gewalt bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht in einem Science-Fiction Film vorhanden sein kann. Sie ist lediglich in keiner Weise stilisiert.

Am bedenklichsten ist jedoch oft realistische Gewalt, die moralisch gerechtfertigt wird. In „Man on Fire“ wird sie ohne Erbarmen angewandt und steht in der Suggestion des Films auch noch für Gerechtigkeit. In der dritten Staffel der „Enterprise“, die nach dem 11. September gedreht wurde, wird Diebstahl, Folter und sogar das Töten legitimiert, in einer Serie, die sich bisher auf hohe moralische Werte berufen hat. Die Darstellung von realistischer Gewalt ist deswegen nicht selten eine Gretchenfrage.

„Man on Fire“ und die dritte „Enterprise“ Staffel sind nur zwei Beispiele für Filme, die nach dem 11. September Gewalt nicht nur darstellen, sondern auch legitimieren. Besondere Umstände rechtfertigen besondere Mittel. Gewalt ist die Lösung, weil es keine andere gibt. Die Rezensionen für „Man on Fire“ sind bei Amazon.de jedoch zum großen Teil positiv. Das Verwerfliche dieses Films ist nicht, dass er grausame und realistische Gewalt enthält, sondern dass er einen Rachefeldzug inhaltlich und symbolisch legitimiert. Der Held muss nicht an Gewissensbissen leiden, er tut das Richtige, er muss darüber nicht reflektieren, er ist kein Mensch der Intelligenz, sondern er ist ein Gefühlsmensch, er weiß was richtig ist, weil er es fühlt. Das Magazin „Cinema“ erkennt die Gewaltlegitimierung und vergibt auch eine verdiente schlechte Bewertung. 

Last Updated ( Saturday, 24 June 2006 )
 
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