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Patrick Leigh Fermor: Die Violinen von Saint-Jacques Print E-mail
Written by Ulli Stefan Zähringer   
Monday, 19 June 2006

„Die Violinen von Saint-Jaques“ sind Patrick Leigh Fermor einziger Ausflug in die Belletristik. Der Autor hat das Werk bereits 1953 geschrieben. Mit 51 Jahren Verspätung erschien 2004 die deutsche Übersetzung. Die Taschenbuchausgabe folgte im Mai 2006.

Mit 18 Jahren begann Fermor 1933 eine Reise nach Istanbul, die durch den Zweiten Weltkrieg beendet wurde. Als britischer Agent organisierte er den Widerstand gegen die Deutschen im besetzten Kreta und war 1942 bei der Festnahme des deutschen General Kreipe beteiligt. Fermor wurde zu einem bekannten englischen Reiseschriftsteller.

Am 8. Mai 1902 um 7:52 brach auf Martinique der Vulkan Mont Pelée aus. Im Februar roch es in St. Pierre bereits nach Schwefelgasen. Ende April kam es wiederholt zu Eruptionen und Ascheregen, der das Umland bedeckte. In den letzten Apriltagen spie der Vulkan schließlich ununterbrochen Aschewolken aus. Die Regierung der Insel spielte diese Ereignisse mit der Sicht auf die kommenden Wahlen herunter, obwohl sich der Vulkan von Tag zu Tag tätiger zeigte.

Im Gegensatz zu den Menschen flüchteten die Tiere, dabei erlebte eine Zuckerfabrik, die nördlich von St. Pierre liegt, eine Invasion von Ameisen und Tausendfüßlern. In St. Pierre kam es in einem Bezirk zu einem Einfall von Schlangen, unter ihnen waren Lanzenottern, deren Biss innerhalb von Minuten töten kann. Soldaten wurden schließlich gegen die tierische Bedrohung eingesetzt, aber durch die Schlangenbisse waren inzwischen etwa 50 Menschen und 200 Tiere gestorben. Als der Vulkan am 8. Mai ausbrach, tötete diese Naturgewalt etwa 30'000 Menschen, die sich in St. Pierre aufhielten. Nur zwei Menschen überlebten.

Fermor greift dieses Ereignis auf, versetzt es auf die imaginäre Insel Saint-Jacques, die Teil derselben Inselgruppe sein soll. Er verkürzt die Ereignisse auf eine einzige Nacht und nimmt den Vulkanausbruch als Hintergrund für die Darstellung des Lebens auf der Insel, die ihrem Untergang an einem Karnevalsabend entgegensteuert, ohne dass sich die Menschen dessen bewusst sind. Viele Gemeinsamkeiten zu dem Ereignis 1902 auf Martinique sind erkennbar: die Aschewolken, die Art und Weise des Ausbruchs und in anderer Bedeutung auch die Lanzenottern.

Die Hauptfigur ist Berthe, die in Retroperspektive von ihrer Jugend und dem Ausbruch des Vulkans erzählt. Mit einer wundervollen Sprache, die die Spuren der Reisen des Autors trägt, baut er das idyllische Szenario auf, das jedoch unter der Oberfläche bröckelt. An diesem Karnevalsabend spitzen sich die Ereignisse langsam zu, jedoch werden sie unbedeutend, als der Vulkan schließlich ausbricht.

Fazit:
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Last Updated ( Saturday, 24 June 2006 )
 
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